Prædiken over Matt 7,12


holdt i 1531. Taget fra Erl 43,292-177

Tilbage til oversigten!
 
 
1 Alles nu, das ihr woltet, dass euch die Leute thun sollen, das thuet ihr ihn auch: das ist das Gesetz und die Propheten. 
       Mit diesen Worten beschleusst er nu seine Lehre, in diesen dreien Capiteln, gethan, und fasset sie alle in ein klein Bündlien, darinne mans gar finden möge, und ein Jglicher in Bosem stecken, und wohl behalten könne; 
3  als sollt er sagen: Wollt ihr wissen, was ich gepredigt habe, und was Moses und alle Propheten euch lehren; so will ichs euch wohl kurz (293) sagen, und so fassen, dass ihr nicht durfet klagen, es ist zu lang oder zu schwer zu behalten. 
4  Denn es ist eine solche Predigt, die man kann lang und weit ausstreichen, und auch kurz machen, und alle Lehre und Predigt hieraus fliessen und sich ausbreiten, und wiederumb hie zusammen kommen. 
5  Wie kunnt es nu kurzer und klärer gefasset werden, denn in diesen Worten? ohn dass die Welt und unser alter Adam nicht lässt dazu kommen, dass wir ihm nachdenken, und gegen einander halten unser Leben zu der Lehre, lassens zu einem Ohr eingehen, zum andern wieder aus. 
6  Sollten wirs aber allzeit gegen unser Leben und Werk halten, so würden wir nicht so roh hingehen und in Wind schlahen, sondern immer gnug zu thun kriegen, und wohl selbs unser Meister werden, und lehren, was wr thun sollten, dass wir nicht durften nach heiligem Leben und Werken laufen, auch nicht viel Juristen und Rechtbucher dazu durften. 
7  Denn es ist ja kurz gefasset und bald gelernet, wenn nur der Fleiss und Ernst da wäre, darnach zu thun und leben. 
8        Als, dass mans bei groben Exempeln sehe, es ist ja Keiner, der ihm gerne lasse stehlen, und wenn er sein eigen Herz drumb fraget, so muss ers sagen, dass ers wahrlich nicht gerne hat. Warumb schleusst er denn nicht, dass er einem Andern auch also thue? 
9 Als, wenn du auf dem Markt siehest, dass Jdermann das Sein so theuer machet, wie er selbs will, dass er gerne umb dreissig Pfennig gäbe, was nicht zehen werth ist, und du fragest ihn: Lieber, wolltest du auch gerne, dass man dirs thäte? so kann er so grob und unverständig nicht sein, er muss sagen: Ich wollts käufen, wie es der Mark gäbe, und was billig und recht wäre, dass man mich nicht ubernähme. 
10 Siehe, das ist dein Herz, das dir sein saget, was du gerne hättst, und dein Gewissen, das das [dass du] schleusst, dass du Andern auch also thuen sollt, und dich sein lehren kann, wie du dich halten sollt gegen dem Nähesten mit Käufen und Verkäufen, (294) und allerlei Handeln; welchs gehoret Alles zum siebenten Gebot: Du sollt nicht stehlen. 
11       Dessgleichen in andern Geboten: Wenn du ein Weib, Tochter oder Mägde hast, die liessest du nicht gerne zu Schanden werden, oder Boses von ihn reden, sondern wolltest, dass sie Jdermann zu Ehren hielte und forderte, und das Beste nachsagete.  
12 Warum bist du denn so verkehret, dass du nach eines Andern Weib trachtest, und selbs zu Schanden machest; oder lässests anstehen, wo du ihr zu Ehren helfen solltest, und hast deine Lust mit Afterreden und Verleumden? 
13 Item, du wolltest nicht gerne, dass dir Jmand Schaden noch Leib thäte, oder dir ubel redete, und was des mehr ist: warumb hältest du denn hie nicht selbs die Regel und Maass, die du von Andern foderst und haben willt, und kannst einen Andern bald richten, tadeln und verdammen, wenn er dirs nicht thuet und willt doch selbs dein eigen Recht nicht halten? 
14 Also gehe durch alle Gebot der andern Tafel, so findest du, dass diess sei die rechte Summa aller Predigt, die man thun kann; wir er hie selbs sagt. 
15        Darumb heisst es wohl eine kurze Predigt; aber wiederumb, wenn man sie durch slle Stück sollt ausbreiten, so ist es so eine weite Predigt, die kein Ende hat, denn es ist nicht zu zählen alles, was man auf Erden thuet bis an jüngsten Tag; 
16 und ist ja ein feiner Meister, der ein solch lange, weitläufige Predigt kann kurz fassen und in eine Summa schliessen, dass sie ein Jglicher kann mit sich heim tragen, und sich täglich derselben erinnern, als in seinem eigen Herzen, ja, in allen seinem Leben und Werken geschrieben, (wie wir weiter horen werden,) und sehen, wo es ihm feihlet, in seinem ganzen Leben. 
17       Und ich halt auch dafur, es sollt dennoch Kraft haben und Frucht schaffen, wenn man nur sich gewöhnet, daran zu gedenken und nicht so gar faul und unachtsam sein wollt. 
18 Denn ich halt Niemand so grob, noch so böse, wenn er daran gedächte, (E295) er wurde sich dennoch scheuen und stossen; und ist sicherlich fein gemacht, dass Christus also stellet, dass er kein ander Exempel setzet, denn uns selbs, und also nahe legt, dass ers nicht näher legen kunnt, das ist, in unser Herz, Leib und Leben, und alle unser Geliedmasse, dass Niemand weit darnach laufen darf, noch viel Mühe und Kost drauf wenden und lassen; 
19 sondern das Buch in deinen eigen Bösem gelegt, und dazu so klar, dass du keiner Glossen darfst, Mosen und das Gesetz zu verstehen, also, dass du selbs deine Bibel, Meister, Doctor und Prediger bist. 
20 Da weiset er dich hin, dass du es nur ansehest, so wirst du finden, wie das Buch gehet durch alle deine Werk, Wort, Gedanken, Herz, Leib und Seele. Richte dich nur darnach, so wirst du weise und gelehrt gnug sein, uber alle Juristen Kunst und Bücher. 
21      Als, zum groben Exempel, bist du ein Handwerksmann, so findest du die Bibel gelegt in deine Werkstatt, in dein Hand, in dein Herz, die dieh lehret und furpredigt, wie du dem Nähesten thun sollt.
22 Siehe nur an deinen Handzeug, deine Nadel, Fingerhut, dein Bierfass, deinen Kram, deine Wage, Ellen und Maass, so liessest du diesen Spruch darauf geschrieben: dass du nirgendhin sehen kannst, da dirs nicht unter Augen stosse, und kein Ding so gering ist, damit du täglich umgehest, das dir Solche nicht ohn Unterlass sage, wenn du es horen villt, und mangelt ja am Predigen nicht. 
23 Denn du hast so manchen Prediger, so manchen Handel, Waare, Handzeug und ander Bereitschaft in deinem Hand und Hofe. Das schreiet allzumal uber deinen Hals: Lieber, handele mit mir also gegen deinem Nähesten, wie du wolltest, dass dein Nähester gegen dir handelen sollt mit seinem Gut. 
24       Siehe, also wäre diese Lehre geschrieben an allen Orten, wo wir hinsehen, und in alle unser Leben gesteckt, wenn wir nur Ohren hätten, die da hören, und Augen, die da sehen wollten; und ist (E296) so ja reichtlich uns furgetragen, dass Niemand sich kann entschuldigen, er habe es nicht gewusst, oder sei ihm nicht gnug gesagt oder gepredigt. 
25 Aber wir sine wie die Ottern, die die Ohren zustopfen, und taub werden, wenn man sie beschwören will; wollens nicht sehen noch horen, was in unser eigen Herzens Gedanken geschrieben ist, und gehen so ruchlos dahin: Ha, was gehet mich ein Ander an! Ich mag mit dem Meinem handeln, wie ich will, und das Meine so theur verkäufen, als ich kann: wer will mirs weheren etc.? 
26 wie Junker Filz und Knebel auf dem Mark thuet; und wenn man sie durch Gottes Wort strafet und drauet, so geben sie ein Lachen und Spotten dran, und stärken sich nur in ihrer Bosheit. 
27 Aber wir predigen auch Solchen nicht, Christus auch nicht, will auch Nichts mit ihn zu schaffen haben, und sie so seher verachten, als sie thun, und sie zum Teufel lassen fahren, damit sie beiderseits gescheiden sein. 
28       Aber die da gerne wollten frumm sein, dennoch Gott furchten, und denken, wie sie leben und fahren wollen, die sollens wissen, dass sie nicht sollen noch mussen mit ihrem Gut handeln und umbgehen, wie sie wollen, als wären sie aller Dinge selbs Herrn: sondern schuldig sind zu handeln, wie es recht und geordnet ist, darumb Landrecht und Stadtrecht da ist. 
29 Denn so wollt ein Jglicher von seinem Nähesten ihm than haben; darumb soll er ihm auch so thun, guten Waar, beide, nehmen und geben. 
30 Das ist sein ernstlich GEbot, udn will keine Freiheit oder Willkore draus gemacht haben, als mochte mans ohn Sunde thun oder lassen; und wird auch druber halten, wie seher es die Welt fur Schimpf hält und veracht. 
31  Thust dus nicht, so wird er mit dir handlen nach deinem eigen Recht und Urtheil, und soll dir auch zu Haus und Hofe kommen, dass du keinen Segen habst zu dem, das du wider diese Lehre gewonnen hast, sondern alle Plage und Herzleid, mit deinen Kindern. 
32 Denn er will sein Gebot den- (E297) noch gehalten haben, oder sollt kein Gut noch Gluch haben. 
33       Zum andern, ist es nicht allein so nahe gelegt, (wie itzt gesagt,) dass wirs sehen mussen in allem, das fur Augen ist; sondern auch dazu so furgebildet, dass einer fur ihm selbs muss schamroth werden. 
34 Denn es ist ja Keiner, der gerne wollt eine böse That thun, dass ander Leut zusehen sollten, und dar Niemand so frei sundigen fur den Leuten, als wenns heimlich geschicht, dass Niemand siehet. 
35 So will nu uns hie Christus selbs zu Zeugen setzen, und machen, dass wir uns selbs scheien sollen, dass, wenn wir unrecht handeln, bald das Gewissen mit diesen Gebot wider usn stehet, als ein ewiger Zeuge, und sagt: Siehe, was thust du? Das sollt du so theuer geben, nach gemeinen gleichen Kauf; so setzest du so viel druber. 
36 Item, die Waare wolltest du nicht gerne von einem Andern nehmen, wie du sie verderbest oder fälschest etc. Wir wurde dicht verdriessen, wenn dir einer fur einen Gulden gäbe, das kaum zehen Groschen werth wäre? dass, wenn due einen guten Blutstropfen im Leib hättest, solltest du dich fur dir selbs schämen. 
37 Denn wenns ein Ander thäte, so hiessest du ihn ein Dieb und Schalk. Warumb schämest du denn dich nicht fur dich selbs, da nicht ein Ander, sondern du selbs dich musst also schelten, verdampt von deinem eigen Gewissen? 
38 Aber da ist gut fur eine harte, unverschämpte Stirn, die sich weder fur den Leuten, noch fur sich selbs schämet, viel weniger fur Gott. 
39 Aber wenns ein Ander dir thuet, da kannst du bald schreien: Ist das nicht Sunde und Schand, und schälklich gestohlen aus dem Beutel? Da kannst du bald einen Dieb und Schalk ersehen an einem Andern; aber der in deinem Bosem steckt, und wohl greifen und fühlen kannst, den willt du nicht sehen. 
40       O wie viel sind itzt solcher Gesellen auf allen Händeln und Handwerken, die da sicher hingehen, die Leut betrügen und täuschen, wo sie konnen, und (E298) doch nicht Diebe und Schälke wollen sein, wenn sie es nur heimlich und behendiglich machen. 
41 Aber wenn Jdermann sollt wieder geben, was er gestohlen und geraubt hätte in seinem Handel oder Handwerk, so wurden wenig Leut Etwas behalten? noch gehen sie hin als fromme Leut, weil man sie nicht offentlich schelten und strafen dar, meinen dazu, sie habens nicht Sünde; 
42 und wenn sie sich umbsehen, so sind alle Winkel in Haus und Hof voll Diebstahls, und Gott gebe, dass sie nicht einen Gulden oder zween im Haus haben ungestohlen: noch soll das Alles nicht Diebstahl heissen. 
43 Ja, wenn es Diebstahl allein wäre, und nicht auch Morderei dazu, da man mit böser, schädlicher Waar, Speis oder Trank viel Leut schwach und krank machet etc., und nicht allein umbs Geld bringet, sondern auch umb Gesundheit, dass Mancher isset und trinket, dass er darnach aussiechen und oft daran sterben muss. Lieber, ist das nicht eben so viel, als brächest du ihm in sein Haus und Kasten, oder schlügest ihn tödtlich wund? ohn dass es den Namen nicht hat. 
44       Wenn du nu nicht so gar verrucht und unverschampt wärest, solltest du dich ja schämen, wenn dir Solchs dein Gewissen sagt, und diesen Spruch furhielte, dass du müsstest in dich schlahen; ja, es wurde dir so bange machen, dass du nirgend wurdest dafur bleiben können. 
45 Denn es ist eine Last, die immer drückt und treibt, ja, stets verdampt, als ein ewiger Zeuge wider uns selbs, dass nicht müglich ist zu ertragen. 
46 Das würde dich denn bald lehren, dass du musstest ablassen von solchem Rauben und Stehlen, und was dessgleichen ist, das du nicht gerne vo einem Andern wolltest dir gethan haben etc. 
47 Also gewöhne dich doch, diesen Spruch ein wenig anzusehen, und mit dir selbs zu uben, so hast du eine tägliche Predigt im Herzen, an allen Wesen und Werken, was du mit dem Nähesten zu handlen und zu thun hast; dadurch du sein kannst lernen alle Gebot und das ganze Gesetz verstehen, und dich regieren (E299) und fuhren durch dein und aller Menschen Leben, dass du sein darnach urtheilen mögest, was in der Welt recht und unrecht ist. 
48       Sprichst du aber: Wie sagt er, dass das Gesetz und die Propheten hierin stehen? Hat doch die Schrift des Gesetzs und der Propheten viel mehr in sirh? Denn sie hat ja die Lehre vom Glauben und Verheissungen, davon hie Nichts gesagt wird; 
49 Antwort: Christus nennet hie das Gesetz und Propheten stracks gegen das Evangelium oder Verheissung. Denn er predigt hie Nichts von dem hohen Artikel, nämlich vom Glauben an Christum, sondern allein von guten Werken. 
50 Denn das sind zwo unterschiedene Predigt, beide muss man sie predigen; aber ein igliche zu seiner Zeit und Stunde. Das siehest du auch klar im Text, in den Worten, da er sagt: Was ihr wöllet, dass euch die Leute thuen sollen, das thuet ihn auch. 
51 Damit zeigt er ja, dass seine Predigt itzt nicht weiter gehet, denn auf die Werk, so die Leute gegen uns, und wir gegen ihnen thuen, und Nichts sagt von der Gnade Christi, die wir von Gott empfahen. 
52 Darumb will er nu sagen: Wenn man soll predigen von gutem Leben und Werken, so wir gegen dem Nähesten thun sollen; so findest du im ganzen Gesetz und allen Propheten nichts Anders, denn das dich dieser Spruch lehret. 
53 Darumb setzet er auch deutlich die Wort: den Leuten, und: das thuet ihr ihn auch etc., zu deuten, dass er allein von den Geboten der andern Tafel rede. 
54        Und das das Beste in dem Spruch ist, spricht er nicht: Ander Leute sollens euch thun; sondern: Ihr sollts andern Leuten thun. Denn das hat ein Jglicher gerne, dass ein Ander ihm thut, und sind viel Schälk und Buben, die da wohl leiden können, dass Jdermann  fromm sei, und ihn Guts thue; aber sie wollens Niemand thun: 
55 wie itzt unser Bauern lassen sich dünken, es sei unrecht und gross Beschwerung, dass sie sollen gleichen Kauf geben; und können doch feindlich schreien und klagen, dass man ihn stiehlt (E300) oder sie schatzet. 
56 Aber das sind eitel böse Würm, Etliche aber sind noch ein wenig besser, die da sagen: Ich wollt zuwarten auch gerne thun, was ich sollt, wenns ander Leut zuvor gegen mir thäten. Aber dieser Spruch heisset also: Thu du, was du willt von einem Andern haben. 
57 Du sollt anfahen, und der Erste sein, willt du, dass dirs ander Leut thun; oder, wollen sie nicht, so thue du es gleichwohl. 
58 Denn wo du nicht ehe wolltest fromm sein, und Guts thun, du fähests denn von einem Anern, so würde nimmermehr Nichts draus. 
59 Wollen Andere nicht, so bist du es nicht deste weniger schüldig, nach dem Gesetz und Ordnung des Rechts, weil du es gerne so wolltest dir gethan haben. 
60 cWer fromm will sein, der muss sich nicht an ander Leut Exempel kehren; und tilt nicht, dass du sagest: Der hat mich getäuscht so muss ich ihn wieder beschmeissen; sondern weil du es nicht gerne hast, so thue es jenem auch nicht, und hebe an an dem, das du gegen dir gethan wolltest haben. 
61 So magst du denn andere Leut durch dein Exempel bewegen, dass sie dir wieder Guts thun, auch die, so dir zuvor Böses gethan haben. Wo du es aber selbs nihct thuest, so hast du zu Luhn, dass auch Niemand gegen dir thue; und geschicht dir auch recht fur Gott und dem Leuten. 

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