| 1 Alles nu, das
ihr woltet, dass euch die Leute thun sollen, das thuet ihr ihn auch: das
ist das Gesetz und die Propheten. |
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| 2
Mit diesen Worten beschleusst er nu seine Lehre, in diesen dreien Capiteln,
gethan, und fasset sie alle in ein klein Bündlien, darinne mans gar
finden möge, und ein Jglicher in Bosem stecken, und wohl behalten
könne; |
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| 3 als sollt er sagen: Wollt
ihr wissen, was ich gepredigt habe, und was Moses und alle Propheten euch
lehren; so will ichs euch wohl kurz (293) sagen, und so fassen, dass ihr
nicht durfet klagen, es ist zu lang oder zu schwer zu behalten. |
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| 4 Denn es ist eine solche
Predigt, die man kann lang und weit ausstreichen, und auch kurz machen,
und alle Lehre und Predigt hieraus fliessen und sich ausbreiten, und wiederumb
hie zusammen kommen. |
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| 5 Wie kunnt es nu kurzer
und klärer gefasset werden, denn in diesen Worten? ohn dass die Welt
und unser alter Adam nicht lässt dazu kommen, dass wir ihm nachdenken,
und gegen einander halten unser Leben zu der Lehre, lassens zu einem Ohr
eingehen, zum andern wieder aus. |
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| 6 Sollten wirs aber allzeit
gegen unser Leben und Werk halten, so würden wir nicht so roh hingehen
und in Wind schlahen, sondern immer gnug zu thun kriegen, und wohl selbs
unser Meister werden, und lehren, was wr thun sollten, dass wir nicht durften
nach heiligem Leben und Werken laufen, auch nicht viel Juristen und Rechtbucher
dazu durften. |
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| 7 Denn es ist ja kurz gefasset
und bald gelernet, wenn nur der Fleiss und Ernst da wäre, darnach
zu thun und leben. |
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| 8
Als, dass mans bei groben Exempeln sehe, es ist ja Keiner, der ihm gerne
lasse stehlen, und wenn er sein eigen Herz drumb fraget, so muss ers sagen,
dass ers wahrlich nicht gerne hat. Warumb schleusst er denn nicht, dass
er einem Andern auch also thue? |
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| 9 Als, wenn du auf dem Markt
siehest, dass Jdermann das Sein so theuer machet, wie er selbs will, dass
er gerne umb dreissig Pfennig gäbe, was nicht zehen werth ist, und
du fragest ihn: Lieber, wolltest du auch gerne, dass man dirs thäte?
so kann er so grob und unverständig nicht sein, er muss sagen: Ich
wollts käufen, wie es der Mark gäbe, und was billig und recht
wäre, dass man mich nicht ubernähme. |
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| 10 Siehe, das ist dein Herz,
das dir sein saget, was du gerne hättst, und dein Gewissen, das das
[dass du] schleusst, dass du Andern auch also thuen sollt, und dich sein
lehren kann, wie du dich halten sollt gegen dem Nähesten mit Käufen
und Verkäufen, (294) und allerlei Handeln; welchs gehoret Alles zum
siebenten Gebot: Du sollt nicht stehlen. |
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| 11
Dessgleichen in andern Geboten: Wenn du ein Weib, Tochter oder Mägde
hast, die liessest du nicht gerne zu Schanden werden, oder Boses von ihn
reden, sondern wolltest, dass sie Jdermann zu Ehren hielte und forderte,
und das Beste nachsagete. |
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| 12 Warum bist du denn so verkehret,
dass du nach eines Andern Weib trachtest, und selbs zu Schanden machest;
oder lässests anstehen, wo du ihr zu Ehren helfen solltest, und hast
deine Lust mit Afterreden und Verleumden? |
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| 13 Item, du wolltest nicht gerne,
dass dir Jmand Schaden noch Leib thäte, oder dir ubel redete, und
was des mehr ist: warumb hältest du denn hie nicht selbs die Regel
und Maass, die du von Andern foderst und haben willt, und kannst einen
Andern bald richten, tadeln und verdammen, wenn er dirs nicht thuet und
willt doch selbs dein eigen Recht nicht halten? |
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| 14 Also gehe durch alle Gebot
der andern Tafel, so findest du, dass diess sei die rechte Summa aller
Predigt, die man thun kann; wir er hie selbs sagt. |
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| 15
Darumb heisst es wohl eine kurze Predigt; aber wiederumb, wenn man sie
durch slle Stück sollt ausbreiten, so ist es so eine weite Predigt,
die kein Ende hat, denn es ist nicht zu zählen alles, was man auf
Erden thuet bis an jüngsten Tag; |
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| 16 und ist ja ein feiner Meister,
der ein solch lange, weitläufige Predigt kann kurz fassen und in eine
Summa schliessen, dass sie ein Jglicher kann mit sich heim tragen, und
sich täglich derselben erinnern, als in seinem eigen Herzen, ja, in
allen seinem Leben und Werken geschrieben, (wie wir weiter horen werden,)
und sehen, wo es ihm feihlet, in seinem ganzen Leben. |
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| 17
Und ich halt auch dafur, es sollt dennoch Kraft haben und Frucht schaffen,
wenn man nur sich gewöhnet, daran zu gedenken und nicht so gar faul
und unachtsam sein wollt. |
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| 18 Denn ich halt Niemand so
grob, noch so böse, wenn er daran gedächte, (E295) er wurde sich
dennoch scheuen und stossen; und ist sicherlich fein gemacht, dass Christus
also stellet, dass er kein ander Exempel setzet, denn uns selbs, und also
nahe legt, dass ers nicht näher legen kunnt, das ist, in unser Herz,
Leib und Leben, und alle unser Geliedmasse, dass Niemand weit darnach laufen
darf, noch viel Mühe und Kost drauf wenden und lassen; |
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| 19 sondern das Buch in deinen
eigen Bösem gelegt, und dazu so klar, dass du keiner Glossen darfst,
Mosen und das Gesetz zu verstehen, also, dass du selbs deine Bibel, Meister,
Doctor und Prediger bist. |
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| 20 Da weiset er dich hin, dass
du es nur ansehest, so wirst du finden, wie das Buch gehet durch alle deine
Werk, Wort, Gedanken, Herz, Leib und Seele. Richte dich nur darnach, so
wirst du weise und gelehrt gnug sein, uber alle Juristen Kunst und Bücher. |
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| 21
Als, zum groben Exempel, bist du ein Handwerksmann, so findest du die Bibel
gelegt in deine Werkstatt, in dein Hand, in dein Herz, die dieh lehret
und furpredigt, wie du dem Nähesten thun sollt. |
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| 22 Siehe nur an deinen Handzeug,
deine Nadel, Fingerhut, dein Bierfass, deinen Kram, deine Wage, Ellen und
Maass, so liessest du diesen Spruch darauf geschrieben: dass du nirgendhin
sehen kannst, da dirs nicht unter Augen stosse, und kein Ding so gering
ist, damit du täglich umgehest, das dir Solche nicht ohn Unterlass
sage, wenn du es horen villt, und mangelt ja am Predigen nicht. |
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| 23 Denn du hast so manchen Prediger,
so manchen Handel, Waare, Handzeug und ander Bereitschaft in deinem Hand
und Hofe. Das schreiet allzumal uber deinen Hals: Lieber, handele mit mir
also gegen deinem Nähesten, wie du wolltest, dass dein Nähester
gegen dir handelen sollt mit seinem Gut. |
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| 24
Siehe, also wäre diese Lehre geschrieben an allen Orten, wo wir hinsehen,
und in alle unser Leben gesteckt, wenn wir nur Ohren hätten, die da
hören, und Augen, die da sehen wollten; und ist (E296) so ja reichtlich
uns furgetragen, dass Niemand sich kann entschuldigen, er habe es nicht
gewusst, oder sei ihm nicht gnug gesagt oder gepredigt. |
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| 25 Aber wir sine wie die Ottern,
die die Ohren zustopfen, und taub werden, wenn man sie beschwören
will; wollens nicht sehen noch horen, was in unser eigen Herzens Gedanken
geschrieben ist, und gehen so ruchlos dahin: Ha, was gehet mich ein Ander
an! Ich mag mit dem Meinem handeln, wie ich will, und das Meine so theur
verkäufen, als ich kann: wer will mirs weheren etc.? |
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| 26 wie Junker Filz und Knebel
auf dem Mark thuet; und wenn man sie durch Gottes Wort strafet und drauet,
so geben sie ein Lachen und Spotten dran, und stärken sich nur in
ihrer Bosheit. |
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| 27 Aber wir predigen auch Solchen
nicht, Christus auch nicht, will auch Nichts mit ihn zu schaffen haben,
und sie so seher verachten, als sie thun, und sie zum Teufel lassen fahren,
damit sie beiderseits gescheiden sein. |
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| 28
Aber die da gerne wollten frumm sein, dennoch Gott furchten, und denken,
wie sie leben und fahren wollen, die sollens wissen, dass sie nicht sollen
noch mussen mit ihrem Gut handeln und umbgehen, wie sie wollen, als wären
sie aller Dinge selbs Herrn: sondern schuldig sind zu handeln, wie es recht
und geordnet ist, darumb Landrecht und Stadtrecht da ist. |
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| 29 Denn so wollt ein Jglicher
von seinem Nähesten ihm than haben; darumb soll er ihm auch so thun,
guten Waar, beide, nehmen und geben. |
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| 30 Das ist sein ernstlich GEbot,
udn will keine Freiheit oder Willkore draus gemacht haben, als mochte mans
ohn Sunde thun oder lassen; und wird auch druber halten, wie seher es die
Welt fur Schimpf hält und veracht. |
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| 31 Thust dus
nicht, so wird er mit dir handlen nach deinem eigen Recht und Urtheil,
und soll dir auch zu Haus und Hofe kommen, dass du keinen Segen habst zu
dem, das du wider diese Lehre gewonnen hast, sondern alle Plage und Herzleid,
mit deinen Kindern. |
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| 32 Denn er will sein Gebot den-
(E297) noch gehalten haben, oder sollt kein Gut noch Gluch haben. |
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| 33
Zum andern, ist es nicht allein so nahe gelegt, (wie itzt gesagt,) dass
wirs sehen mussen in allem, das fur Augen ist; sondern auch dazu so furgebildet,
dass einer fur ihm selbs muss schamroth werden. |
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| 34 Denn es ist ja Keiner, der
gerne wollt eine böse That thun, dass ander Leut zusehen sollten,
und dar Niemand so frei sundigen fur den Leuten, als wenns heimlich geschicht,
dass Niemand siehet. |
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| 35 So will nu uns hie Christus
selbs zu Zeugen setzen, und machen, dass wir uns selbs scheien sollen,
dass, wenn wir unrecht handeln, bald das Gewissen mit diesen Gebot wider
usn stehet, als ein ewiger Zeuge, und sagt: Siehe, was thust du? Das sollt
du so theuer geben, nach gemeinen gleichen Kauf; so setzest du so viel
druber. |
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| 36 Item, die Waare wolltest
du nicht gerne von einem Andern nehmen, wie du sie verderbest oder fälschest
etc. Wir wurde dicht verdriessen, wenn dir einer fur einen Gulden gäbe,
das kaum zehen Groschen werth wäre? dass, wenn due einen guten Blutstropfen
im Leib hättest, solltest du dich fur dir selbs schämen. |
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| 37 Denn wenns ein Ander thäte,
so hiessest du ihn ein Dieb und Schalk. Warumb schämest du denn dich
nicht fur dich selbs, da nicht ein Ander, sondern du selbs dich musst also
schelten, verdampt von deinem eigen Gewissen? |
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| 38 Aber da ist gut fur eine
harte, unverschämpte Stirn, die sich weder fur den Leuten, noch fur
sich selbs schämet, viel weniger fur Gott. |
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| 39 Aber wenns ein Ander dir
thuet, da kannst du bald schreien: Ist das nicht Sunde und Schand, und
schälklich gestohlen aus dem Beutel? Da kannst du bald einen Dieb
und Schalk ersehen an einem Andern; aber der in deinem Bosem steckt, und
wohl greifen und fühlen kannst, den willt du nicht sehen. |
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| 40
O wie viel sind itzt solcher Gesellen auf allen Händeln und Handwerken,
die da sicher hingehen, die Leut betrügen und täuschen, wo sie
konnen, und (E298) doch nicht Diebe und Schälke wollen sein, wenn
sie es nur heimlich und behendiglich machen. |
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| 41 Aber wenn Jdermann sollt
wieder geben, was er gestohlen und geraubt hätte in seinem Handel
oder Handwerk, so wurden wenig Leut Etwas behalten? noch gehen sie hin
als fromme Leut, weil man sie nicht offentlich schelten und strafen dar,
meinen dazu, sie habens nicht Sünde; |
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| 42 und wenn sie sich umbsehen,
so sind alle Winkel in Haus und Hof voll Diebstahls, und Gott gebe, dass
sie nicht einen Gulden oder zween im Haus haben ungestohlen: noch soll
das Alles nicht Diebstahl heissen. |
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| 43 Ja, wenn es Diebstahl allein
wäre, und nicht auch Morderei dazu, da man mit böser, schädlicher
Waar, Speis oder Trank viel Leut schwach und krank machet etc., und nicht
allein umbs Geld bringet, sondern auch umb Gesundheit, dass Mancher isset
und trinket, dass er darnach aussiechen und oft daran sterben muss. Lieber,
ist das nicht eben so viel, als brächest du ihm in sein Haus und Kasten,
oder schlügest ihn tödtlich wund? ohn dass es den Namen nicht
hat. |
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| 44
Wenn du nu nicht so gar verrucht und unverschampt wärest, solltest
du dich ja schämen, wenn dir Solchs dein Gewissen sagt, und diesen
Spruch furhielte, dass du müsstest in dich schlahen; ja, es wurde
dir so bange machen, dass du nirgend wurdest dafur bleiben können. |
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| 45 Denn es ist eine Last, die
immer drückt und treibt, ja, stets verdampt, als ein ewiger Zeuge
wider uns selbs, dass nicht müglich ist zu ertragen. |
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| 46 Das würde dich denn
bald lehren, dass du musstest ablassen von solchem Rauben und Stehlen,
und was dessgleichen ist, das du nicht gerne vo einem Andern wolltest dir
gethan haben etc. |
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| 47 Also gewöhne dich doch,
diesen Spruch ein wenig anzusehen, und mit dir selbs zu uben, so hast du
eine tägliche Predigt im Herzen, an allen Wesen und Werken, was du
mit dem Nähesten zu handlen und zu thun hast; dadurch du sein kannst
lernen alle Gebot und das ganze Gesetz verstehen, und dich regieren (E299)
und fuhren durch dein und aller Menschen Leben, dass du sein darnach urtheilen
mögest, was in der Welt recht und unrecht ist. |
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| 48
Sprichst du aber: Wie sagt er, dass das Gesetz und die Propheten hierin
stehen? Hat doch die Schrift des Gesetzs und der Propheten viel mehr in
sirh? Denn sie hat ja die Lehre vom Glauben und Verheissungen, davon hie
Nichts gesagt wird; |
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| 49 Antwort: Christus nennet
hie das Gesetz und Propheten stracks gegen das Evangelium oder Verheissung.
Denn er predigt hie Nichts von dem hohen Artikel, nämlich vom Glauben
an Christum, sondern allein von guten Werken. |
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| 50 Denn das sind zwo unterschiedene
Predigt, beide muss man sie predigen; aber ein igliche zu seiner Zeit und
Stunde. Das siehest du auch klar im Text, in den Worten, da er sagt: Was
ihr wöllet, dass euch die Leute thuen sollen, das thuet ihn auch. |
|
| 51 Damit zeigt er ja, dass seine
Predigt itzt nicht weiter gehet, denn auf die Werk, so die Leute gegen
uns, und wir gegen ihnen thuen, und Nichts sagt von der Gnade Christi,
die wir von Gott empfahen. |
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| 52 Darumb will er nu sagen:
Wenn man soll predigen von gutem Leben und Werken, so wir gegen dem Nähesten
thun sollen; so findest du im ganzen Gesetz und allen Propheten nichts
Anders, denn das dich dieser Spruch lehret. |
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| 53 Darumb setzet er auch deutlich
die Wort: den Leuten, und: das thuet ihr ihn auch etc., zu deuten, dass
er allein von den Geboten der andern Tafel rede. |
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| 54
Und das das Beste in dem Spruch ist, spricht er nicht: Ander Leute sollens
euch thun; sondern: Ihr sollts andern Leuten thun. Denn das hat ein Jglicher
gerne, dass ein Ander ihm thut, und sind viel Schälk und Buben, die
da wohl leiden können, dass Jdermann fromm sei, und ihn Guts
thue; aber sie wollens Niemand thun: |
|
| 55 wie itzt unser Bauern lassen
sich dünken, es sei unrecht und gross Beschwerung, dass sie sollen
gleichen Kauf geben; und können doch feindlich schreien und klagen,
dass man ihn stiehlt (E300) oder sie schatzet. |
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| 56 Aber das sind eitel böse
Würm, Etliche aber sind noch ein wenig besser, die da sagen: Ich wollt
zuwarten auch gerne thun, was ich sollt, wenns ander Leut zuvor gegen mir
thäten. Aber dieser Spruch heisset also: Thu du, was du willt von
einem Andern haben. |
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| 57 Du sollt anfahen, und der
Erste sein, willt du, dass dirs ander Leut thun; oder, wollen sie nicht,
so thue du es gleichwohl. |
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| 58 Denn wo du nicht ehe wolltest
fromm sein, und Guts thun, du fähests denn von einem Anern, so würde
nimmermehr Nichts draus. |
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| 59 Wollen Andere nicht, so bist
du es nicht deste weniger schüldig, nach dem Gesetz und Ordnung des
Rechts, weil du es gerne so wolltest dir gethan haben. |
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| 60 cWer fromm will sein, der
muss sich nicht an ander Leut Exempel kehren; und tilt nicht, dass du sagest:
Der hat mich getäuscht so muss ich ihn wieder beschmeissen; sondern
weil du es nicht gerne hast, so thue es jenem auch nicht, und hebe an an
dem, das du gegen dir gethan wolltest haben. |
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| 61 So magst du denn andere Leut durch dein
Exempel bewegen, dass sie dir wieder Guts thun, auch die, so dir zuvor
Böses gethan haben. Wo du es aber selbs nihct thuest, so hast du zu
Luhn, dass auch Niemand gegen dir thue; und geschicht dir auch recht fur
Gott und dem Leuten. |
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